Ohne Ökonomie keine Ökologie

In einem Gastbeitrag im aktuellen FOCUS erklären die beiden Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik „Warum wir freitags bald ganz andere Demos sehen“. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer gefährlichen Schieflage, von dieser notwendigen Debatte wird jedoch durch die medial omnipräsenten Klimaapokalyptiker vollständig abgelenkt. Ja, Deutschlands Wirtschaft geht es oberflächlich betrachtet (noch) gut, allerdings kühlt sich das Wirtschaftsklima im Eiltempo ab und die Prognosen fallen, wie aktuell die Temperaturen. Vor allem die deutsche Autoindustrie befindet sich im Niedergang – bejubelt von freitagsdemonstrierenden Klimajüngern und politischen Nutznießern.

Nun könnte man ganz unbedarft mit den Schultern zucken und sich auf dem Gedanken ausruhen, dass man selber nicht in einem Automobilkonzern arbeitet – das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Die Automobilindustrie gehört seit Jahrzehnten zum Rückgrat unserer nationalen Wirtschaft. Sie überstand Kriege, Rezessionen und internationale Konkurrenz nahezu unbeschädigt.

Um die Wichtigkeit dieser Branche zu erkennen, muss man sich verdeutlichen wie viele Jobs indirekt mit ihr zusammenhängen. Schließt beispielsweise BMW seine Werkstore, bedeutet das nicht nur den Jobverlust zehntausender werkseigener Mitarbeiter, sondern löst eine Kettenreaktion ungeahnten Ausmaßes aus. Zulieferern, wie die mittelständischen Metall-, Kunststoff-, Textil- und Elektronikbetriebe, würden über Nacht einen Auftraggeber verlieren, der in den meisten Fällen das unternehmerische Fundament darstellt. Das Wegbrechen eines solchen Kunden verkraften nur die wenigsten Firmen, sodass auch sie selber nun in eine finanzielle Schieflage geraten. Die darauf einsetzende Entlassungswelle geht mit geringerer Kaufkraft einher und schädigt dann in der dritten Stufe alle anderen Unternehmen vom Handwerker bis zum kleinen Dienstleister. Die fehlenden Steuereinnahmen werden darüber hinaus dafür sorgen, dass der Staat seinen Wasserkopf abbauen muss, sodass auch staatliche Mitarbeiter plötzlich um ihre sichergeglaubten Jobs zu fürchten lernen werden. Fertig ist eine tiefgreifende Rezession historischen Ausmaßes.

Dass demonstrierende Teenager diesen kausalen Zusammenhang nicht erkennen (können), liegt im Mangel an Erfahrung. Dass aber vorgebliche Spitzenpolitiker nicht über diese wirtschaftlichen Grundlagen verfügen, ist beängstigend. Unter dem Jubel der scheinbar moralischen Überlegenheit sägt man sich selbst lachend den Ast ab, auf dem man sitzt und am Ende will von den Folgen niemand geahnt haben können. Ein tiefgreifender Strukturwandel benötigt vor allem eines: Weitsicht und Zeit und nicht das Denken von Legislatur zu Legislatur.

https://www.focus.de/finanzen/boerse/experten/gastbeitrag-von-marc-friedrich-und-matthias-weik-massenentlassungen-statt-klimawandel-warum-wir-freitags-bald-ganz-andere-demos-sehen_id_10906968.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.