Nepper, Schlepper, Bauernfänger

20190701_Schlepper Sea Watch

Spätestens seit dem vergangenen Wochenende kennt jeder Deutsche Carola Rackete. Und jeder Italiener auch. Die Kapitänin der „Sea Watch 3“ wurde am Freitag festgenommen, als sie mit ihrem Schiff – trotz Verbotes der Behörden – im italienischen Lampedusa anlegte. So weit, so bekannt. Weniger bekannt ist jedoch scheinbar folgendes: Seenotrettung bedeutet Schiffbrüchige aufzunehmen und an den nächstgelegenen, sicheren Hafen zu bringen. In diesem Fall war das die afrikanisch Küste, wo man sich hätte drei Länder aussuchen können.

Frau Rackete entschied sich hingegen, wegen der sogenannten Flüchtlinge – deren angebliche Krankheit ihr als Vorwand diente, wenngleich sie ihnen den zehnmal längeren Seeweg nach Italien zugemutet hatte – das Anlegeverbot zu ignorieren. Ebenfalls wird geflissentlich ignoriert, dass Frau Rackete bei ihrem Anlegeversuch ein kleines Boot der Küstenwache abdrängte und die Besatzung so massiv gefährdete. Hier waren ihr Menschenleben plötzlich egal. Die ihr nun in Aussicht gestellte lange Haftstrafen gründet im Übrigen maßgeblich auf diesen gefährlichen Eingriff.

Die Krone der Ignoranz bilden jedoch diverse Prominente und Spitzenpolitiker. Dass zwei Komödianten mit hinreichend bekannter politischer Einstellung einen Spendenaufruf starten, der binnen 24 Stunden über eine Millionen Euro generierte, sei geschenkt. Auch, dass Frau Rackete die Tochter eines Mannes ist, der als Ingenieur und Berater von Waffensystemen ein kleines Vermögen verdiente, lassen wir unkommentiert. Dass allerdings unter anderem unser Bundespräsident sich erdreistet, die Italiener für die Anwendung von Recht und Gesetz zu maßregeln, ist ein Affront oberster Güte mit maximaler politischer Sprengkraft. Deutschland spielt den rechtsbrechenden Moralapostel und isoliert sich von Partnerstaaten. Und das nicht erst seit der „Flüchtlingskrise“, sondern schon seit der „Energiewende“ und „Eurorettungspolitik“.