Wer hat an der Uhr gedreht?

20190603_Zeitumstellung

Im vergangenen Jahr konnten die EU-Bürger endlich einmal etwas „Schweizer Luft“ schnuppern, als das EU-Parlament eine Umfrage zur Zeitumstellung startete. Knapp fünf Millionen Menschen beteiligten sich, davon über drei Millionen deutsche Staatsbürger. Das Ergebnis war eindeutig, über 80 % sprachen sich für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus. Verbindlich war die Umfrage natürlich nicht, dennoch bekräftigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Wunsch der Menschen ernst zu nehmen und verkündete spontan die Abschaffung der Zeitumstellung ab Herbst 2019.

Das war im September 2018. Heute, ein gutes halbes Jahr später, zeigt sich, wie kompliziert es in der Praxis ist einen Verbund aus 28 Mitgliedsstaaten und 28 Einzelinteressen zu vereinen. Einen „Zeitzonen-Flickenteppich“ möchte man um jeden Preis vermeiden und so verzögert sich die Abschaffung der Zeitumstellung ironischerweise auf unbestimmte Zeit.

Es ist kurios: Geht es um massive Einschnitte in die Souveränität der Nationalstaaten, so werden wie bei der „Urheberrechtsreform“ (bekannt als „Artikel 13) die Entscheidungen zentralistisch durch die EU getroffen, geht es aber um eine „Kleinigkeit“ wie die Einigung auf eine verbindliche Sommer- oder Winterzeit, tut man sich schwer und suggeriert gar nationale Souveränität. Soviel hochbezahlte Unfähigkeit auf einmal! Eigentlich ist es doch einfach: Die Einführung der Sommerzeit war ein ideologisches Projekt. Da kein Land seinen geographischen Standort ändern kann, wäre die Rückkehr zur jeweiligen Normalzeit die logische Konsequenz – scheinbar jedoch nicht für diverse Minister. Die EU muss gar nichts entscheiden – ganz im Gegenteil, sie hat sich endlich aus nationalen Interessen rauszuhalten.

https://www.welt.de/vermischtes/article194538219/Zeitumstellung-Europaeische-Union-schiebt-Abschaffung-weiter-auf.html

https://www.spiegel.de/politik/ausland/jean-claude-juncker-will-zeitumstellung-in-der-eu-2019-abschaffen-a-1227710.html