Den Blick über den Tellerrand wagen

Aufruf 2019

Der ehemalige Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, startet mit dem „Aufruf 2019“ eine weitere vorgebliche Demokratiebewegung, die am gestrigen Montag mit 1.500 Anhängern in Leipzig demonstrierte. Zu seinen Beweggründen erklärt er in der Süddeutsche Zeitung Magazin:

„Die Ostdeutschen haben sich in den vergangenen 30 Jahren viel zu selten an der Gestaltung des gesellschaftspolitischen Lebens beteiligt. Wir brauchen jetzt eine klare Positionierung für die Demokratie angesichts dessen, dass nationalistische Gruppierungen wie Pegida oder die AfD demokratische Grundwerte unserer Verfassung in Frage stellen. Es ist ein klares Bekenntnis zu kultureller Vielfalt, Pressefreiheit und unabhängiger Justiz – alles Dinge, die Rechtsnationalisten infrage stellen und abschaffen wollen.“

Es ist schon erstaunlich, dass man den Sachsen immer wieder vorwirft, Demokratie nicht zu leben oder wahlweise nicht verstanden zu haben. In keinem anderen Bundesland Deutschlands ist die politische Debatte derart lebendig, wie in Sachsen, auch wenn einem persönlich die Protagonisten nicht passen mögen.

Demokratie heißt, ein breites Spektrum an legitimen, politischen Forderungen offen und auf Konsens bedacht zu diskutieren und mitnichten nur Meinungen, die dem eigenen Standpunkt bestätigen, in Wohlfühlatmosphäre zu erörtern. Es drängt sich einem somit unweigerlich der Verdacht auf, dass die Initiatoren solcher „Demokratieveranstaltungen“ eher selber an einem Demokratiedefizit leiden, als die, denen sie genau dies vorwerfen. Anders lässt sich die Ignoranz und Verächtlichmachung anderer Meinungen nicht erklären.

#BlaueWende #BlauePartei #TeamPetry #Sachsen

https://www.sueddeutsche.de/politik/interview-am-morgen-landtagswahl-in-sachsen-nicht-angst-sollte-das-politische-geschaeft-bestimmen-1.4285295