Fahrten zu Gedenkstätten: Nutzlos, wenn die pädagogische Begleitung fehlt

Sächsische Schulklassen können künftig mit bis zu 500 Euro pro Klassenfahrt rechnen, wenn sie innerhalb des Freistaates eine Gedenkstätte besuchen wollen. Im Doppelhaushalt 2019/20 sind dafür insgesamt 200.000 Euro vorgesehen. Die Koordination übernimmt die Brücke-Most-Stiftung in Dresden. Besuche von Gedenkstätten außerhalb des Freistaates werden durch das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ gefördert.

 Uwe Wurlitzer, MdL der Blauen Partei #TeamPetry, gibt zu bedenken:

„Was nützt der reine Besuch einer Gedenkstätte, wenn die Visite nicht umfassend pädagogisch begleitet wird? Solange Schüler nichts zur speziellen Geschichte des Ortes wissen, dem Leid der Opfer und den Repressalien, denen sie dort ausgesetzt waren, wird sich die Intention einer tieferen Einsicht in die dunklen Seiten unserer Geschichte nur schwer umsetzen lassen.

Lehrinhalte zum Nationalsozialismus oder der kommunistischen Diktatur werden auf immer weniger Schulstunden verteilt. Punktuelle Betrachtungen von Stätten des Terrors sind da nur eingeschränkt möglich – wenn überhaupt. Wichtig ist daher, auch umfassend auf Betreuungsangebote der Gedenkstätten zurückzugreifen, Erfahrungsberichte von Opfern einfließen zu lassen und ganz bewusst die Gesamtbreite der damaligen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Wer nicht weiß, wie die Gewalt gegen Andersdenkende oder Gegner aussah, dass sie Leben zerstörte und im Kleinen damit anfing, dass man mit dem Finger auf andere zeigte, weil die geäußerte Meinung nicht zu eigenen Ansichten passte – der wird einem Besuch eines Gedenkortes wahrscheinlich nicht viel abgewinnen können und das Gesehene einfach bagatellisieren.“

Dresden, 14.01.2019

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