Jens Krautwurst: Holters Bildungsreform – ideologisch motivierter Angriff auf differenziertes Schulsystem

Jens Krautwurst

Erfurt, 17.12.2018. Ende November hat die Thüringer Landesregierung ihren Entwurf für ein neues Schulgesetz im Freistaat vorgelegt. Inzwischen gibt es zahlreiche kritische Stimmen zum Vorhaben des Bildungsministers. Unter anderem reagierte die Landesleitung des Thüringer Lehrerverbandes (TLV) mit Skepsis. In einer Reaktion wurden demnach Zweifel laut, inwieweit es sich tatsächlich um den angekündigten „großen Wurf“ des Ministeriums handelt.

Dazu äußert sich Jens Krautwurst, Landeskoordinator der Blauen Wende in Thüringen:

„Es ist ja grundsätzlich begrüßenswert, wenn sich Bildungsminister Helmut Holter (DIE LINKE) Gedanken über Lehrermangel, Stundenausfall oder Vertretungsregelungen macht. Andererseits ist das aber auch seine Aufgabe. Problematisch ist es jedoch, die Lösung in Konzentration und Kooperation, statt in Investitionen – zum Beispiel in deutlich höhere Lehrereinstellungen – zu suchen.

Die Pläne des Bildungsministers folgen klar erkennbar einem ideologischen Ziel der Linken – der Schule für alle und damit der Abschaffung des differenzierten Schulsystems. Schon das Landtagswahlprogramm der Partei macht daraus keinen Hehl: ‚Die von uns angestrebte Gemeinschaftsschule soll keine Schule neben anderen sein, sondern die eine für alle, flächendeckend.‘

Am Ende bedeutet das auch den weiteren Gang der Förderzentren in die Bedeutungslosigkeit und die damit verbundene Forstsetzung der Inklusion. Dem Ganzen wird dann wortgewaltig das Etikett ‚Chancengleichheit‘ aufgeklebt. Klingt schön, führt aber leider zum Gegenteil.

Die bedenkenswerte Forderung des Thüringer Lehrerverbandes, in inklusiven Klassen eine permanente Doppelbesetzung einzurichten, um die Lehrer endlich zu entlasten, wird nicht umgesetzt.

Auch die vielgepriesene Kooperationslösung hat nach Meinung der Blauen letztendlich nur die Schwächung und Schließung kleinerer Schulstandorte zur Folge. Das kann nicht der Weg sein.

Es bleibt zu konstatieren, der Leistungsgedanke scheint bei der LINKEN keine Rolle zu spielen, da die Festsetzung der Mindestschülerzahlen die Gemeinschaftsschule gegenüber dem Gymnasium deutlich bevorzugt. Wir Blauen betrachten deshalb den Schulgesetzentwurf des Bildungsministers insbesondere auch als einen nicht hinnehmbaren Angriff auf die Gymnasien. Wir sehen uns in dieser Haltung durch den Thüringer Philologenverband gestärkt, der feststellt, dass die Einheitsschule keine Lösung für den Lehrermangel darstellt.

Fast schon erheiternd – wenn es nicht um die Zukunft des Bildungsstandortes ginge – ist eine Fußnote dieser Geschichte: Die CDU selbst, die sich jetzt kritisch zum neuen Schulgesetz geriert, hat noch in der gemeinsamen Regierung mit der SPD die Gemeinschaftsschule eingeführt. Nun beklagt sie laut die Folgen.

Wir jedenfalls stehen für Leistungsdifferenzierung, nicht Gleichmacherei. Inklusion soll unserer Meinung nach in vertretbaren Rahmen stattfinden und damit die Förderzentren gestärkt, nicht weiter geschwächt werden. Die blaue Partei #TeamPetry setzt sich für ein gegliedertes Schulsystem, in dem jeder Schüler nach seinen Talenten die individuelle Förderung erhält ein. Die Einheitsschule für alle lehnen wir ab.“