Weidetierhalter nicht auf Folgekosten der Wolfsansiedlung sitzen lassen

Die Blaue Partei im Landtag

Öffentliche Anhörung im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft des Sächsischen Landtages zu den Anträgen „Deutschlandweit abgestimmtes Wolfsmanagement“ (Drs 6/12852 – CDU/SPD-Fraktion) und „Umgang mit dem Wolf endlich rechtssicher regeln – Wolfsverordnung erlassen“ (Drs 6/12761 – Fraktion Bündnis 90/Die Grünen)

Gestern fand eine umfangreiche öffentliche Anhörung mit 14 Sachverständigen über die Zukunft des Wolfsmanagements in Sachsen statt. Grundlage waren zwei Anträge der Fraktionen SPD und CDU sowie der Grünen.

Dazu erklärt Gunter Wild, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Blauen Gruppe im Sächsischen Landtag:

„Die heutige Anhörung und Diskussion zeigte die Defizite beider Anträge. Sachsen braucht endlich einen Wolfsmanagementplan.

So wurde von den Sachverständigen immer wieder auf die europäischen und internationalen Erfahrungen verwiesen. Diese betreffen sowohl den hohen Aufwand und die Notwendigkeit der ausreichenden finanziellen Entschädigung für Herdenschutz und Rissentschädigungen als auch die Tatsache, dass Vergrämungsmaßnahmen nur mit Einschränkungen wirksam sind.

Besonders aufschlussreich waren die Erklärungen von Dr. Jan Ole Schroers (Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft, KTBL) zu den Abschätzungen der Kosten für die verschiedenen Herdenschutzmaßnahmen.

* Pro Herdenschutzhund müssen Betriebe mit Kosten von ca. 2.500 Euro
rechnen, wobei für je eine Berufsschäferei mit mindestens vier
Hunden zu rechnen ist, entlang von Deichen sind es sogar zehn.
* Allein für einen Kilometer Weidezaun müssen für einen vernünftigen
Herdenschutz etwa 2,5 Stunden Arbeitszeit pro Weidegang und 1,5
Stunde für die Pflege pro Woche zusätzlich eingeplant werden.

Staatlicherseits wird allein die Anschaffung der Herdenschutzhunde und der Zäune finanziell übernommen. Die Kosten für den Aufwand und die Unterhaltung jedoch muss allein der Schäfer tragen. Dies ist wirtschaftlich nicht leistbar. Solange durch die Folgen der weiter wachsenden Wolfspopulation der Bestand dieser Unternehmen gefährdet ist, müssen diese zusätzlichen Kosten erstattet werden.

Bislang wird weder der Antrag der Regierungskoalition noch der Antrag der Grünen den Ausführungen der Sachverständigen gerecht. Die Vorschläge sind weder geeignet, die Lage der Weidetierhalter und der Bürger in den Wolfsgebieten ernsthaft zu verbessern, noch den Abschuss von übergriffigen und kranken Tieren unbürokratisch und schnell zu regeln.

Man verweigert sich nach wie vor einem Konzept, wie viele Wölfe in welchen Regionen Sachsens leben können, ohne die öffentliche Sicherheit dauerhaft zu gefährden. Es wird weder eine Regulierung der Wolfspopulation angestrebt, noch die praxisgerechte Anpassung der Anforderungen an den Herdenschutz oder die Einführung des Schadensausgleichs für Wolfsrisse in Höhe des Wiederbeschaffungswertes der Tiere in Kombination mit der Einführung einer Beweislastumkehr bei der Unterscheidung zwischen Wolfs- und Hunderissen.

Dass ein Antrag der sächsischen Regierungsfraktionen, trotz des riesigen internationalen und auch europäischen Pools an Erfahrungen im Umgang mit dem Wolf, sowie trotz des enormen personellen und finanziellen Aufwandes für das sächsische Wolfsmonitoring, an dem derzeit sage und schreibe elf Institutionen beteiligt sind, noch immer fast ausschließlich aus Prüfaufträgen besteht, ist erschreckend.

Der Ruf nach einem länderübergreifenden Management des Tieres, verschließt die Augen vor der deutschlandweiten sehr inhomogenen Verbreitung und den regional unterschiedlichen Problemen. Zurecht bezeichnete Prof. Dr. habil Sven Herzog (Dozentur für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der Technischen Universität Dresden) diesen Ansatz sogar als kontraproduktiv, da fachlich nicht erforderlich, bürokratisch und obendrein erfahrungsgemäß kostspielig.

Auch die Erarbeitung einer Wolfsverordnung wie in Brandenburg kann erst zielführend sein, wenn zuvor sowohl der Wolfsmanagementplan als auch die spezifisch sächsische Gesetzgebung grundlegend überarbeitet wurden. Die Forderung der Grünen, einfach eine zusätzliche Verordnung zu erlassen, schafft nur ein Mehr an Bürokratie. Das Ziel, eine Regulierung der sächsischen Wolfspopulation zu schaffen und die Konflikte mit den Tieren im ländlichen Raum effektiv auszuräumen, wird auf diesem Wege nicht erreicht.

Die öffentliche Anhörung bestätigte damit die Wichtigkeit der Forderungen unserer eigenen Anträge (Antrag: Neuer Wolfsmanagementplan in Sachsen; Änderungsantrag Drs 6/12712 zum Antrag ‚Herdenschutz in Wolfsgebieten – Akzeptanz erhalten und Rechtssicherheit durchsetzen‘), die wir im März in Bezug auf die Bestandsregulierung und der Überarbeitung des Herdenschutzes gestellt haben.“