Zum Muttertag

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer der Blauen Wende,

diese Woche ist Muttertag. Für mich ist das jedes Mal ein zwiespältiges Ereignis, genauso wie der Frauen- oder Männertag, aber es ist ein guter Anlass über das Mutter-Sein nachzudenken.

Für die meisten Männer ist Muttertag möglicherweise ein Datum für mindestens eine wichtige Frau in ihrem Leben. Hoffentlich verkitschen sie das Ereignis nicht mit ein paar lieblos zusammengestellten Geschenkboxen aus dem Supermarkt, Pralinen in Herzchenform oder Unmengen an roten Rosen.

Mutter werden und sein ist, Ausnahmen zum Trotz, immer noch freiwillig. Jemandem das Leben zu geben, ist eine bewusste Entscheidung. Sie bedeutet, zumindest zeitweise, sich und die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und sich ganz und gar auf ein neues Wesen, einen neuen Charakter einzulassen. So wie ein Kind immer Kind seiner Eltern bleibt, ist Frau ab Geburt bis zum eigenen Tod immer Mutter, egal wie groß oder erwachsen die eigenen Kinder sind. Die meisten Mütter planen ihre eigenen Wünsche wie selbstverständlich um die ihrer Kinder herum, ihre Für-Sorge (manchmal mehr vom zweiten) bestimmt ihr Leben, bedeutet auch häufig beruflich langsamer voranzukommen. Viel zu oft bangen Alleinerziehende von Tag zu Tag, ob das Geld bis zum Monatsende reicht. Dass viele Frauen sich trotz alledem ganz absichtlich für ein Kind oder weitere entscheiden, verdient höchste Anerkennung, noch vielmehr deshalb, weil die allermeisten Frauen sich ihres Dienstes an der Gesellschaft gar nicht bewusst sind.

Manche stört die Fixierung auf den zweiten Sonntag im Mai als festgeschriebenes Ritual. Mutterehre sei an 365 Tagen im Jahr wichtig. Dennoch ist es nicht verkehrt, einen Tag im Jahr allein den Müttern zu widmen. Trotzdem sollte das Datum aber nicht nur aus folkloristischen Veranstaltungen bestehen, bei denen reflexartig Blumensträuße überreicht werden. Sondern auch Themen zur Diskussion stellen, die unbeliebt sind. Die Nöte der Alleinerziehenden etwa. Altersarmut von Frauen gehört dazu. In Deutschland auch historische Lasten aus der DDR-Zeit, in der geschiedene Frauen deutlich schlechter als Männer gestellt wurden. Oder die weiter für viele Fälle ungelöste Frage der Zwangsadoption durch das DDR-Regime, das kürzlich zum Einreichen einer Petition an den Deutschen Bundestag geführt hat, weil viele Akten durch Fehler im Einigungsvertrag weiterhin nicht zugänglich sind. Eine grundlegende Wertschätzung von Erziehungsarbeit. Die Stellung einer Frau und Mutter in Gesellschaften, in denen patriarchalisch über ihr Dasein entschieden wird. Vor allem der manchmal vermisste Beistand für Frauen, die sich nicht sicher sind, ob sie das kommende Kind behalten möchten. Gesellschaftlich benötigt Deutschland eine stärkere, vielleicht auch kompromisslose Annahme, den Respekt und die Solidarität mit Schwangeren. Dazu gehört auch, den Paragraphen 219a nicht zu streichen. Dieser verbietet es bislang Ärzten, für Schwangerschaftsabbrüche öffentlich zu werben. Kritiker möchten § 219a abschaffen, weil es ihrer Ansicht nach zu einer modernen Gesellschaft gehöre, Frauen auch die Entscheidung pro oder contra Leben zu überlassen und vergessen dabei, dass das ungeborene Kind ein eigenes Lebensrecht besitzt, das es unbedingt zu schützen gilt.

Viele weitere Lebensbereiche wären es wert, für eine Unterstützung von Müttern und Vätern gestärkt zu werden: Wir reden zu Recht von der barrierefreien Teilhabe behinderter Menschen, aber das gilt auch für Eltern. Wenn ich mit dem Kinderwagen bereits auf dem Flughafen ohne eigene Begleitperson völlig aufgeschmissen bin, wenn viel zu häufig Eltern-Kind-Parkplätze fehlen, wenn der Kinderwagen regelmäßig im Gang des IC der Deutschen Bahn hängenbleibt und pflichtbewusste Mitarbeiter das vollständige Zerlegen empfehlen oder manche Taxifahrer sich weigern, Kinder ohne Sitzkissen zu transportieren, dann resignieren die einen und andere werden (zu Recht) wütend.

Gemeinsam sollten wir dafür sorgen, dass Kinder im Alltag – fast egal an welchem Ort, selbstverständlich dazugehören. Wenn Ihnen also weitere beschwerliche Baustellen einfallen, wo Eltern und Kinder Erleichterung verdient hätten, freuen wir uns über eine Zuschrift an bbz@blaue-wende.de.

Bis dahin wünschen wir allen, die den Muttertag feiern möchten einen wunderschönen zweiten Sonntag im Mai 2018!

Ihre/ Eure Frauke Petry

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