67. Sitzung des Sächsischen Landtags – TOP4/ Förderung von Klassenfahrten zu KZ-Gedenkstätten

Redebeitrag zum Antrag der Fraktion DIE LINKE zur Förderung von Klassenfahrten zu KZ-Gedenkstätten (Drucksache 6/5447) mit Stellungnahme der Staatsregierung
Uwe Wurlitzer, fraktionslos:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Sehr geehrte Frau Junge, Ihre Rede hat mich vorhin sehr tief beeindruckt. Das muss man ganz klar und deutlich sagen. Es ist wichtig und richtig, was Sie gesagt haben. Ich glaube aber trotzdem, und die Antwort der Staatsregierung sagt das ganz eindeutig – Frau Kurth hat das im Juli 2016 zu Ihrem Antrag mitgeteilt – , dass es genügend Angebote von der Landeszentrale für politische Bildung gibt, einschließlich entsprechender Fördermaßnahmen und Richtlinien, und dass es auch richtig ist, dass diese Klassenfahrten in Eigenverantwortung bei der Schule liegen.
Was mir aber bei dieser ganzen Geschichte zu kurz kommt: Liebe Frau Junge, Sie haben vorhin gesagt, dass es ganz wichtig ist, dass wir über unsere eigene Geschichte sprechen, und dass es ganz wichtig ist, dass wir unsere eigene Geschichte aufarbeiten. Sie haben von menschlichen Katastrophen und Unmenschlichkeit gesprochen, die es in Zukunft zu verhindern gilt. Ich frage mich an der Stelle, wie Sie in Ihrem Antrag bzw. in den Anträgen aus Ihrer Fraktion darauf kommen, dass es Unrecht ist, was der Stalinismus hier letztendlich verbrochen hat; denn nach dem Zweiten Weltkrieg hat es ja auch Unrecht in größeren Formen gegeben; das KZ Buchenwald, das Sie selbst anführen, ist weiter genutzt worden. Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Wichtig wäre, dass man auch darüber spricht. (Beifall des Abg. Mario Beger, AfD)
Wichtig wäre, dass es dort entsprechende Gedenkstätten gibt, wo man hingehen kann, weil auch das ganz klar Teil unserer Geschichte ist und es meines Erachtens ganz wichtig ist, dass es aufgearbeitet wird. Wenn Sie, liebe Frau Zais, sagen, dass es jede Menge Jugendliche gibt, die mit Auschwitz-Birkenau nichts anfangen können, dann gibt es mindestens genauso viele, wenn nicht noch wesentlich mehr, und auch eine ganze Menge Erwachsene, die mit dem Unrecht, das es durch den Stalinismus gegeben hat, auch nichts anfangen können. Wenn wir tatsächlich unsere Geschichte wahrhaft aufarbeiten wollen, und wenn wir wollen, dass damit alle ordentlich umgehen, dann müssen wir beide Seiten betrachten.
Vielen Dank. (Beifall bei den fraktionslosen Abgeordneten und vereinzelt bei der AfD)
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