Neuer Antisemitismus – Wehret den Anfängen

Spätestens, wenn der Euphemismus so weit geht, dass er eine ursprüngliche Wortbedeutung in ihr Gegenteil verkehrt, stimmt etwas Gravierendes nicht mehr, denn Sprache ist immer auch eine Abbildung ihrer Gesellschaft.

Flüchtlinge z.B. waren früher Menschen, die mit nichts bis extrem wenig außer dem eigenen Leben vor Krieg und Verfolgung aus der angestammten Heimat fliehen mußten; die nötigen Papiere waren das erste, was sie mitnahmen, wenn sie noch die Gelegenheit dazu hatten.

Der größere Teil der Flüchtlinge bestand übrigens – genderdiktatorisch richtig formuliert – aus Flüchtlinginnen, weil die Männer im wehrfähigen Alter meist gar keine Möglichkeit zur Flucht hatte; diese Menschen lebten, nebenbei bemerkt, auch nicht nur friedlich auf engstem Raum zusammen, sondern arbeiteten meist von früh bis spät. Spätestens mit 14 Jahren war der Welpenschutz vorbei.

Im wahrsten Sinne des Wortes pervers (heißt: verdreht, [ins Gegenteil] verkehrt) ist überdies der Versuch, an einer muslimischen Unterschicht wieder gut machen zu wollen, was vor 80 Jahren an der jüdischen Oberschicht verbrochen worden ist – und Judenfeindlichkeit damit im Zweifel wieder zuzulassen und mithilfe des Euphemismus zu verharmlosen.

Gerade, wer die Geschichte kennt und verhindern möchte, daß sich ihre dunkelsten Kapitel in irgendeiner Weise wiederholen, sollte den Mut besitzen, Mißstände offen beim Namen zu nennen. Euphemismus ist liebenswert, wenn er aus der fetten Frau eine füllige Dame macht, aber gefährlich, wenn er den Anfängen nicht wehrt, sondern ihnen regelrecht Schützenhilfe leistet.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article174391061/Israel-Hass-auf-der-ITB-Wenn-aus-Antisemiten-politisch-aufgewuehlte-Maenner-werden.html