Sozialarbeiter an Schulen: Wie schlimm steht es um eine Gesellschaft, in der wir so etwas nötig haben?

In Sachsen werden ab dem Schuljahr 2018/19 an jeder Oberschule Sozialarbeiter eingesetzt. Sie sollen „Konflikte managen“ und Lehrer beim Klären von Problemen der Schüler untereinander unterstützen. Dafür werden künftig 30,5 Millionen Euro bereitgestellt.

Andrea Kersten (Blaue Partei), MdL und bildungspolitische Sprecherin der Blauen Gruppe, kommentiert:

„Es ist bedauerlich, dass an allen Oberschulen so dringend Sozialarbeiter als notwendig erachtet werden. Das zeigt, wie dramatisch die Situation an diesen Schulen mittlerweile ist. Andererseits will keiner der Verantwortlichen scheinbar wissen, was in unserem Land in den letzten Jahren so derartig schief gelaufen ist, dass diese Mittel nun zum Einsatz kommen müssen. Hier nach den Ursachen zu forschen und gegenzusteuern wäre wichtiger, als nur ein Pflaster auf die Wunde zu kleben.

Gespannt darf man sein, ob es genügend Betreuer gibt, damit jede Oberschule eine Stelle besetzen kann. Es wäre nicht das erste Mal im Freistaat, dass ein im Vorfeld gelobtes Projekt ob fehlender Kapazitäten untergeht. Benötigen eigentlich auch Schulen in der Schweiz, den Niederlanden, Finnland oder Ungarn Sozialarbeiter? Falls nein, wieso? Derartige Recherche wäre für den Schulausschuss des Sächsischen Landtages in der Tat sinnvoller statt einer Reise nach Südafrika.

Überdies ist wenig nachvollziehbar, dass der Steuerzahler (und natürlich nicht ‚das Land‘, wie es aus dem Sozialministerium verklausuliert heißt) finanziell die Erziehung von Kindern bezahlen soll. Das tut er nämlich bei diesem Projekt! Für die Ausstattung mit dem Mindestrüstzeug gesellschaftlicher Umgangsformen gibt es nämlich im Übrigen schon Sozialarbeiter. Sie heißen Mutter und Vater.“